Christoph Phllipp Matt:
Die Schneidergasse

ist nicht erst heute ein lebendiges Viertel mit vielen Läden und Geschäften; sie war schon immer eine geschäftige Lebensader.

Von Anwohnern in römischer Zeit zeugen Keramikscherben, die hier bei Ausgrabungen gefunden wurden. Die frühesten mittelalterlichen Hinweise auf eine Siedlung, z.B. zerbrochene Töpfe, stammen aus dem 9./10. Jahrhundert. Erste Holzhäuser des 11. Jahrhunderts sind im Bereich der Schneidergasse 2–12 bekannt (nachgewiesen durch Herdstellen und Lehmböden). Etwas weiter weg, im Spiegelhofareal, kamen 1937 gar ganze Balkenlagen von solchen Holzgebäuden zum Vorschein. Diese spektakulären Entdeckungen sind unter Archäologen europaweit als „Petersbergbauten“ bekannt.

Im späten 11. Jahrhundert dann entstanden hier die ersten Steinbauten. Deren Fundamente sind noch in den Häusern Schneidergasse 4–12, aber auch am hinteren Andreasplatz und an der Stadthausgasse 18–22 erhalten. Einzelne romanische Fenstersäulen mit Würfelkapitellen zeugen von ihrer architektonischen Schönheit (ausgestellt in der Bäckerei Andreasplatz 14). Auch die längst abgebrochene Andreaskapelle entstand schon in romanischer Zeit (www.archaeobasel.ch: link zu: 10 Andreasplatz).

Archäologische Bodenforschung des Kantons Basel Stadt
Petersgraben 11 Postfach 4001 Basel. Tel. 061 267 23 55
www.archaeobasel.ch

Um 1200/1250 wurden sogar zwei Türme errichtet. Ihre Reste sind in der Schneidergasse 12 zu sehen. Der Hausgang führt durch das „St. Andreasgässlein“ unter dem Wohnturm durch (www.archaeobasel.ch: link zu: 14 Schneidergasse 12). Die ältesten historischen Nennungen der Häuser an der Schneidergasse fallen ins späte 13. Jahrhundert. Sie überliefern Namen von Häusern und von Eigentümern. Manche dieser alten Namen und Hauszeichen schmücken heute wieder die Fassaden. Wichtige handwerkliche Berufsgattungen lassen sich auch an den Gassennamen ablesen: Schneidergasse, Gerbergasse. Im Haus Schneidergasse 28 wurden die Reste einer Färberei des 18. Jahrhunderts archäologisch erforscht. „An der Schneidergasse“ gibt es viel zu entdecken (www.archaeobasel.ch: link zu: / arch. denkmäler / „an der schneidergasse“).